Muss man Abfindung versteuern? 3 Steuerfallen, die Sie vermeiden sollten!

Gekündigt - muss man die Abfindung versteuern?

Muss man nach einer Kündigung die Abfindung versteuern? Eindeutig „Ja“. In Deutschland müssen Arbeitnehmer ihre Abfindung versteuern. Und zwar in voller Höhe, obwohl die Abfindung für den Verlust des Arbeitsplatzes als „Einmalzahlung “ gezahlt wird. Es gibt aber einige Vergünstigungen, wie die „Fünftelregelung“. Falls eine Abfindung vollständig in einem Kalenderjahr ausgezahlt wurde, können Sie hierdurch eine (kleine) Steuerermäßigung erreichen. Auch durch das richtige “Timing” der Zahlungen über mehrere Kalenderjahre lässt sich die Steuerlast optimieren. Dafür sind Abfindungszahlungen grundsätzlich sozialversicherungsfrei.

Warum muss man eine Abfindung versteuern?

Eine Abfindung wird in der Regel als Entschädigung für den Arbeitsplatzverlust gezahlt. Sie ist also eine „außerordentliche Zahlung“. Trotzdem ist sie in Deutschland seit einigen Jahren voll zu versteuern. Die Abfindung wird also wie normales Gehalt behandelt. Und das, obwohl die Abfindung zu einer deutlichen Erhöhung der Steuerprogression führen kann. Es gibt allerdings mit der sog. “Fünftelregelung” eine kleine Steuervergünstigung. Eine Grobprüfung der Bandbreite Ihrer möglichen Abfindungszahlung können Sie zunächst hier vornehmen:

Eine gute Nachricht: Auch wenn man die Abfindung versteuern muss, fallen So­zial­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge in den meisten Fällen nicht an (§ 14 SGB IV SGB). Das gilt für die Renten- und Kranken- sowie für die Pflege- und die Arbeitslosenversicherung (für freiwillig Krankenversicherte gibt es Ausnahmen). Die folgenden Erläuterungen beschäftigen sich daher ausschließlich mit der Besteuerung einer Abfindung. Alles, was Sie z.B. über das Verhandeln einer Entschädigung wissen müssen, finden Sie in unserem Beitrag zur Abfindung allgemein.

Wenn Sie eine Abfindung erhalten (werden), sollten Sie auf folgende drei „Steuerfallen“ achten:

Steuerfalle 1 – Keine Fünftelungsregelung

Die sog. “Fünftelregelung” mindert die Steuerlast, weil Einkommensteuersätze in Deutschland „progressiv“ sind. Bedeutet: Mit steigenden Einkünften erhöht sich auch der Steuersatz. Wird beispielsweise einem Arbeitnehmer am Ende einer langjährigen Tätigkeit eine hohe Abfindung ausgezahlt, erhöht sich der Steuersatz entsprechend. Durch die sog. „Fünftelregelung“ verteilt sich die Abfindung in der Steuerberechnung quasi auf fünf Jahre.

Der Arbeitgeber zieht die Lohnsteuer ab und wendet dabei diese Form der Lohnsteuerberechnung an, wenn diese zu einer niedrigeren Lohnsteuer führt. Den größten Steuerspar-Effekt haben dabei diejenigen Steuerpflichtigen mit relativ niedrigem Verdienst und hoher Abfindung.

Der ermäßigte Steuersatz auf die Abfindung ist aber grundsätzlich nur dann möglich, wenn sie in einem Betrag ausgezahlt wurde. Zwar wäre es in vielen Fällen steuerlich günstiger, wenn sie in mehreren Raten ausgezahlt würde. Schließlich hat der gekündigte Arbeitnehmer in den Folgejahren – z.B. weil noch ohne neuen Arbeitsplatz – geringere Einkünfte zu versteuern, und damit eine niedrigere Bemessungsgrundlage. Das geht bei der Fünftelungsregelung aber grade nicht.

Steuerfalle 2 – Schlechtes Timing der Auszahlung

Alternativ zur Fünftelungsregelung können Steuerpflichtige, die ihre Einkünfte gut planen können, ihre Steuerlast auch durch eine zeitliche Verteilung der Abfindungsauszahlung mindern. Bei Auszahlung über mehrere Jahre greift zwar die Fünftelungsregelung in der Regel nicht. Wer aber zum Beispiel bei Verhandlung der Abfindungszahlung im Dezember 2021 bereits absehen kann, dass er in Jahr 2022 erstmal eine Auszeit nehmen wird, kann Steuern sparen. In 2022 hätte er geringere Einkünfte und eine niedrigere Progression. Durch das Verschieben der Auszahlung ins Folgejahr wird die Abfindung erst dann versteuert. Schon eine Auszahlung z.B. am 1.2.2022 statt am 31.12.2021 kann also die Steuerlast deutlich verringern. Grundsätzlich kommt es für die zeitliche Zuordnung nämlich auf den Zuflusszeitpunkt an. Das hängt allerdings vom konkreten Einzelfall ab (z.B. welche sonstigen Einkünfte erzielt werden und welche Steuerbelastung insgesamt besteht).

Steuerfalle 3 – Kirchensteuererlass versäumt

Muss man auch für die Kirchensteuer die Abfindung versteuern? Ja – aber es gibt einen wenig bekannten „Trick“, wie man diese Steuer zumindest verringern kann. Kirchenmitglieder können sich i.d.R. die Hälfte der auf eine Abfindung gezahlten Kirchensteuer zurückholen. Denn die Abfindung wird auch für die Kirchensteuer wie eine außergewöhnliche Einkunft behandelt. Man kann daher einen Antrag stellen mit dem Ziel, dass die Kirchensteuer z.T. „erlassen“ wird. Das funktioniert bei den meisten Kirchenmitgliedern. Es gibt zwar keinen Rechtsanspruch auf einen solchen Teilerlass, doch seit Jahrzehnten werden Kirchenmitgliedern in diesem Fall bis zu 50% der Kirchensteuer auf den erlassen. Allerdings hat as Rückwirkungen auf die Einkommensteuer. Der Wegfall wirkt hier steuerehöhend, da die Kirchensteuer z.T entfällt, die ihrerseits unbeschränkt als Sonderausgaben abzugsfähig ist. Der Nettoeffekt ist aber positiv, wenn auch geringer als man erwarten würde.

Achtung: Bei einem zeitgleich erfolgten Kirchenaustritt wird der Kirchensteuererlass häufig versagt (z.B. laut Erlass Erzbistum Berlin hier). Deshalb immer erst den Erlassantrag „durchziehen“ – und erst danach aus der Kirche austreten.

Um in den Genuss dieser Vergünstigung zu kommen, müssen Sie beim zuständigen Kirchensteueramt einen formlosen Antrag auf Teilerlass der Kirchensteuer stellen. In Berlin ist das zum Beispiel das Erzbischöfliche Ordinariat. Der Antrag ist nach Bekanntgabe des Steuerbescheides spätestens vor Ablauf der Festsetzungsfrist (§ 169 AO) mit geeigneten Unterlagen zur Prüfung zu stellen.

Abfindungsauszahlung steuerlich optimieren – was können Sie sonst noch tun?

Wenn Sie Ihre Abfindungsauszahlung steuerlich optimieren wollen, sollten Sie sich arbeitsrechtlich und steuerrechtlich beraten lassen. Unsere Partneranwälte können Ihnen auch bei ihren steuerlichen Fragen helfen. Nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf:

* Ein Hinweis zu unseren Texten. Eigentlich würden wir immer korrekt „Gendern“  – also. z.B. von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sprechen. Deutsch ist aber sowieso keine einfache Sprache. Und unser Thema „Arbeitszeugnis Formulierungen“ ist relativ technisch. Im Interesse der Klarheit und Lesbarkeit unserer Texte haben wir uns daher entschlossen, die Genderformulierungen wegzulassen. 

 

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Weitere Informationen, was beim Zeugnis zu beachten ist, finden Sie hier: