Steuern auf Abfindungen – Wie kann man Steuern sparen?

AbfindungsHero - Muss man eine Abfindung versteuern?

Muss ein Arbeitnehmer*, wenn er seinen Arbeitsplatz verliert, seine Abfindung versteuern? In Deutschland leider ja. Auch für Arbeitnehmer, die für den Verlust Ihres Arbeitsplatzes eine Abfindung erhalten, unterliegt diese seit einigen Jahren der Einkommensteuer. Allerdings gibt es Möglichkeiten, seine Steuerlast zu verringern. Ganz vermeiden lässt sich die Steuer auf die Abfindung leider in der Regel nicht. Ein kleiner Trost: Abfindungszahlungen sind grundsätzlich sozialversicherungsfrei.

Allgemeines: Muss man eine Abfindung versteuern?

Obwohl eine Abfindung als Entschädigung für den Arbeitsplatzverlust gezahlt wird, ist sie in Deutschland seit einigen Jahren grundsätzlich voll zu versteuern, d.h. die Zahlung ist einkommensteuerpflichtig. Dies, obwohl die Abfindung als Entschädigung für den Verlust des Arbeitsplatzes eine erhebliche Höhe erreichen kann und damit in Deutschland zu einer deutlichen Erhöhung der Steuerprogression führen kann. Es gibt allerdings über die “Fünftelregelung” immer noch eine kleine Steuervergünstigung. Eine Grobprüfung der Bandbreite einer möglichen Abfindungszahlung können Sie hier vornehmen:

Zwar muss man seine Abfindung versteuern. So­zial­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge fallen aber in den meisten Fällen nicht an (§ 14 SGB IV SGB). Das gilt für die Renten- und Kranken- sowie für die Pflege- und die Arbeitslosenversicherung (für freiwillig Krankenversicherte gibt es Ausnahmen). Die folgenden Erläuterungen beschäftigen sich daher ausschließlich mit der Besteuerung einer Abfindung. Alles, was Sie über das Verhandeln einer Entschädigung wissen müssen, finden Sie in unserem Beitrag zur Abfindung allgemein.

Wie hoch fällt die Steuer aus?

In welcher Höhe Sie Ihre Abfindung versteuern müssen, hängt stark von Ihrer persönlichen einkommensteuerlichen Situation ab (und ggf. von der Ihres Ehe- oder Lebenspartners). Daher empfehlen wir ein Gespräch mit Ihrem Steuerberater oder Rechtsanwalt. Eine erste Indikation können Sie aber mit einem kostenlosen Abfindungs-Steuerrechner erhalten. Berechnen Sie z.B., ob die Versteuerung mit der Fünftelregelung für Sie günstiger ist.

Wie kann man die Abfindungsauszahlung steuerlich optimieren?

Als Arbeitnehmer hat man in Deutschland bekanntlich wenig Möglichkeiten, seine Steuerlast zu verbessern. Bei Abfindungszahlungen kann man allerdings von der „Fünftelungsregelung“ Gebrauch machen oder die Auszahlung der Abfindung zeitlich steuern, so dass die Gesamtsteuerbelastung minimiert ist

Abfindung Versteuern mit Fünftelungsregelung“

Die sog. “Fünftelregelung” mindert die Steuerlast, weil Einkommensteuersätze in Deutschland „progressiv“ sind. Bedeutet: Mit steigenden Einkünften erhöht sich auch der Steuersatz – v.a., wenn ein Arbeitnehmer am Ende einer langjährigen Tätigkeit eine hohe Abfindung ausgezahlt erhält. Durch die sog. „Fünftelregelung“ verteilt sich die in der Steuerberechnung gleichmäßig auf fünf Jahre. Der Arbeitgeber zieht die Lohnsteuer ab und wendet dabei diese Form der Lohnsteuerberechnung an, wenn diese zu einer niedrigeren Lohnsteuer führt. Den größten Steuerspar-Effekt haben dabei diejenigen Steuerpflichtigen mit relativ niedrigem Verdienst und hoher Abfindung.

Der ermäßigte Steuersatz auf die Abfindung ist aber grundsätzlich nur dann möglich, wenn sie in einem Betrag ausgezahlt wurde. Zwar wäre es in vielen Fällen steuerlich günstiger, wenn sie in mehreren Raten ausgezahlt würde. Schließlich hat der gekündigte Arbeitnehmer in den Folgejahren – z.B. weil noch ohne neuen Arbeitsplatz – geringere Einkünfte zu versteuern, und damit eine niedrigere Bemessungsgrundlage. Das geht bei der Fünftelungsregelung aber grade nicht.

Zeitliche Verteilung der Auszahlung

Alternativ zur Fünftelungsregelung können Steuerpflichtige, die ihre Einkünfte gut planen können, ihre Steuerlast durch eine zeitliche Verteilung der Abfindungsauszahlung über mehrere Jahre mindern – oder das eben nicht machen! Wer zum Beispiel bei Verhandlung der Abfindungszahlung im Dezember 2021 bereits absehen kann, dass er in Jahr 2022 erstmal eine Auszeit nehmen – und deswegen geringere Einkünfte haben wird – kann die Auszahlung ganz oder teilweise ins Folgejahr verschieben – und damit erst im Folgejahr die Abfindung versteuern. Die Auszahlung z.B. am 1.2.2022 statt am 31.12.2021 kann die Steuerlast deutlich verringern, wenn die sonstigen Einkünfte in 2022 deutlich geringer sind als 2021 und damit die Einkommenssteuerprogression niedriger ist. Grundsätzlich kommt es für die zeitliche Zuordnung nämlich auf den Zuflusszeitpunkt an! Das hängt allerdings immer vom konkreten Einzelfall ab (z.B. welche sonstigen Einkünfte erzielt werden und welche Steuerbelastung insgesamt besteht).

Falls Sie die Höhe Ihrer Abfindung überprüfen wollen, können Sie dies hier tun:

Weitere Informationen, was im Falle einer Kündigung zu beachten ist, finden Sie hier:

* Ein Hinweis zu unseren Texten. Eigentlich würden wir immer korrekt „Gendern“  – also. z.B. von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sprechen. Deutsch ist aber sowieso keine einfache Sprache. Zusätzlich ist unser Thema „Arbeitszeugnis Formulierungen“ relativ technisch. Im Interesse der Klarheit und Lesbarkeit unserer Texte haben wir uns daher entschlossen, die Genderformulierungen wegzulassen.