Kündigung während Kurzarbeit erhalten – Welche Rechte stehen Ihnen zu?

Kündigung während Kurzarbeit
Kündigung während Kurzarbeit

Auch wenn es im Internet manchmal anders erklärt wird: Eine Kündigung während Kurzarbeit ist grundsätzlich zulässig, wenn betriebsbedingte, personenbedingte oder verhaltensbedingte Gründe vorliegen. Personen- und verhaltensbedingte Kündigungen sind jederzeit möglich, unabhängig davon, ob Sie sich in Kurzarbeit befinden oder nicht. Betriebsbedingte Kündigungen sind dagegen an weitere Voraussetzungen geknüpft. Den Wegfall des Arbeitsplatzes sowohl aus außerbetrieblichen als auch innerbetrieblichen Gründen muss der Arbeitgeber hier hinreichend begründen und darlegen. Betriebsbedingte Kündigungen während der Kurzarbeit sind also nur unter strengeren Voraussetzungen zulässig.

Kann man während der Kurzarbeit betriebsbedingt gekündigt werden?

Die Annahme, dass man während der Kurzarbeit Kündigungsschutz genießt, hält sich vor allem im Internet hartnäckig. Das ist leider – falsch! Auch während der Kurzarbeit können Arbeitnehmer durch den Arbeitgeber gekündigt werden. Hierbei kommen betriebsbedingte Kündigungen, aber auch personen- oder verhaltensbedingte Kündigungen in Frage:

  • Personen- und verhaltensbedingte Kündigungen sind jederzeit möglich
  • Betriebsbedingte Kündigungen sind dagegen an weitere Voraussetzungen geknüpft.

Kurzarbeit darf zwar nur bei vorübergehendem Arbeitsausfall angeordnet werden. Betriebsbedingte Kündigungen sind nur bei dauerhaftem Arbeitsausfall rechtens. Trotzdem ist eine betriebsbedingte Kündigung auch während der Kurzarbeit möglich, aber deutlich erschwert. Nach unserer Überzeugung sind viele betriebsbedingte Kündigungen während der Kurzarbeit unwirksam:

Warum sind betriebsbedingte Kündigungen während der Kurzarbeit oft unwirksam?

Der Arbeitgeber muss den Wegfall des Arbeitsplatzes sowohl aus außerbetrieblichen als auch innerbetrieblichen Gründen hinreichend begründen und darlegen. Denn nach der Rechtsprechung ist die bereits angeordnete Kurzarbeit Indiz für einen nur vorübergehend verringerten Beschäftigungsbedarf. Betriebsbedingte Kündigungen sind aber nur bei dauerhaftem Arbeitsausfall rechtens. Möchte der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis während der Kurzarbeit aufgrund außerbetrieblicher Umstände beenden, muss er beweisen, dass sich seine ursprüngliche Prognose zur Kurzarbeit nicht bewahrheitet hat. Der Arbeitgeber muss neue Umstände beweisen, die nunmehr für einen dauerhaften Wegfall von Arbeitsplätzen sprechen. Das ist nicht so einfach. Wird die betriebsbedingte Kündigung während der Kurzarbeit mit denselben Gründen gerechtfertigt, aus denen Kurzarbeit angeordnet worden ist, ist sie unwirksam. Auch wenn Sie die Kündigung akzeptieren wollen, wirkt sich dies auch auf die Höhe der Abfindung aus.

Beweislast bei Kündigung während Kurzarbeit

Allerdings ist es trotz höherer Darlegungs- und Beweislast für den Arbeitgeber möglich, nachzuweisen, dass die Voraussetzungen einer betriebsbedingten Kündigung vorlagen. Das kann aber zum Beispiel gegeben sein, wenn zusätzliche Aufträge wegbrechen und eine Weiterbeschäftigung des Arbeitnehmers nicht möglich ist. Ein anderer Grund könnte die Schließung ganzer Bereiche des Unternehmens sein oder eine Verlagerung von betrieblichen Aktivitäten an einen anderen Standort. Auch wenn der Arbeitgeber Abteilungen oder Aufträge an externe Firmen vergibt liegt ein solcher Grund vor. Es kommt aber auf die genauen Umstände des Einzelfalls an.

Was sollte man bei einer Kündigung während Kurzarbeit tun ?

Wenn Sie eine Kündigung während Kurzarbeit erhalten haben, ist zunächst wichtig, dass Sie schnell handeln: Ggf müssen Sie nämlich innerhalb von drei Wochen Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht einreichen. Dazu sollten Sie ein evtl. Angebot Ihres Arbeitgebers gut prüfen und sich durch einen Arbeitsrechtsanwalt beraten lassen. Eine erste Möglichkeit zur Prüfung Ihrer Ansprüche finden Sie hier:

* Ein Hinweis zu unseren Texten. Eigentlich würden wir immer korrekt „Gendern“  – also. z.B. von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sprechen. Deutsch ist aber sowieso keine einfache Sprache. Und unser Thema „Arbeitszeugnis Formulierungen“ ist relativ technisch. Im Interesse der Klarheit und Lesbarkeit unserer Texte haben wir uns daher entschlossen, die Genderformulierungen wegzulassen. 

Weitere Informationen, was beim Zeugnis zu beachten ist, finden Sie hier: